Zeestower Rüst- und Freizeitheim erfolgreich saniert

Erfolgreiche Umbauarbeiten: Das Rüst- und Freizeitheim „Bei den Aposteln“ in Zeestow ist nach aufwendiger Sanierung wieder feierlich eröffnet worden. Bischof Markus Dröge höchstpersönlich hielt während eines Festaktes am Sonntag (6. Mai) im Beisein von Pfarrer Dr. Bernhard Schmidt mit einer Predigt in der benachbarten Autobahnkirche die Laudatio. Auch Landrat Roger Lewandowski war vor Ort. Die ersten Gäste haben dort nun am Mittwoch bereits wieder Quartier bezogen.
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Die Umbau- und Sanierungsarbeiten haben rund 13 Monate lang angedauert. Doch das Ergebnis kann sich sehen lassen. Das ursprüngliche Pfarrhaus, das vor etwa 120 Jahren errichtet wurde, wird seit 1962 als Rüst- und Freizeitheim des seit längerer Zeit als Eigentümer und Betreiber fungierenden Kirchenkreises Falkensee genutzt. Das Grundstück selbst gehört der Kirchengemeinde Zeestow, die es verpachtet hat. Laut Angaben von Roland Stolt, der für den Kirchenkreis das neue Konzept erarbeitet hat, wurde das Haus nach der Nutzung als Notunterkunft für unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge in den Jahren 2015 und 2016 weitgehend entkernt, vorhandene Bauschäden wurden beseitigt und auch eine große Terrasse ist entstanden, die über eine Rampe den Zugang zum Haus auch für Rollstuhlfahrer ermöglicht. Barrierefreiheit ist also gegeben. Das Obergeschoß (OG) selbst wurde vollständig neu aufgeteilt, so dass dort jetzt fünf Zimmer für regulär zwei, drei, vier und sechs Personen entstanden sind. Und: Jedes Zimmer im OG verfügt über ein eigenes, direkt vom Zimmer oder über den Flur erreichbares Bad.


Im Erdgeschoß wurde die Küche verlegt. Ein eigener Zugang von außen über die Terrasse sei nun ebenfalls gegeben, so Stolt. Neben zwei unveränderten Schlafräumen wurde ein dritter großer Schlafraum neu geschaffen. Die drei Zimmer können regulär mit fünf oder sechs Personen belegt werden. In zwei dieser Räume seien behindertengerechte Zugänge vorhanden. Außerdem wurde ein behindertengerechtes Bad neu errichtet. Die drei Aufenthaltsräume seien nahezu unverändert erhalten geblieben. Sie wurden nun mit Präsentationsmedien wie Whiteboards, Flipchart, Beamer und Leinwand ausgestattet.

Vollständig abgeschlossen sind die Bauarbeiten mit Blick auf die Sanierung des Sockels, der Renovierung der Fassade und weiterer kleinerer Restarbeiten im noch nicht. „Die Arbeiten an der Außenhaut waren und sind bis jetzt noch nicht konkret geplant, da hierzu die Mittel fehlen.
Das Außengelände inklusive Spielplatz, der zur Autobahnkirche gehört, wird nach Abschluss der Umbauarbeiten des ehemaligen Stallgebäudes zur WC-Anlage der Autobahnkirche wieder hergerichtet“, sagte Stolt. All das soll dafür Sorge tragen, dass das Ensemble rund um Autobahnkirche und Rüstheim als Anziehungspunkt für Gäste und Brieselanger gleichermaßen angenommen wird.

Maximal sind im Rüst- und Freizeitheim nun übrigens insgesamt 40 Schlafplätze vorhanden, 35 in regulären Betten und fünf in Notbetten, also sogenannte Rollbetten. Die 35 Betten teilen sich auf in sieben Einzelbetten, eines ist Erdgeschoss auch für Behinderte geeignet, drei Etagenklappbetten, also maximal sechs Schlafplätze (bei Belegung des unteren Bettes mit einer behinderten Person entfällt der obere Schlafplatz) und elf Etagenbetten (22 Schlafplätze). Doch wie viele Gäste konnten vor dem Hintergrund der Resonanz bislang überhaupt gezählt werden? „Die Zahl der Gäste insgesamt ist uns leider selbst nicht bekannt. Auf Grund der veralteten und teilweise maroden Ausstattung ging die Auslastung stark zurück. Selbst Modernisierungen des Inventars führten nur zu einer moderaten Verbesserung der Situation, so dass wir vor der Nutzung als Notunterkunft nur 13 Gruppen mit 21 Übernachtungstagen in 2013 und 17 Gruppen mit 31 Übernachtungstagen in 2014 hatten. Zudem verfügte das Rüstzeitheim nur über Erdgeschoß und Keller mit maximal 29 Betten (24 reguläre Betten plus 5 Notbetten), so dass ich rund 250 bis maximal 400 Gästen pro Jahr schätze“, sagte Roland Stolt. Mit der nun erfolgten weiteren Modernisierung steigen indes die Ansprüche. Positive Auswirkungen sieht Stolt bereits jetzt. „Die aktuellen Buchungen stimmen uns sehr hoffnungsfroh und die avisierten Gästezahlen liegen mit mehr als 250 schon nahe bei den für das erste Jahr angestrebten Zahlen von mindestens 320 Gästen. Die Zahl der gebuchten Übernachtungstage liegt mit 63 bis 31. Dezember 2018 bereit doppelt so hoch wie in unserer Wirtschaftlichkeitsbetrachtung angenommen“, so Stolt weiter. Für eine langfristige kostendeckende Bewirtschaftung müssten diese Zahlen seinen Angaben zufolge aber noch mehr als verdoppelt werden. „Leider haben wir noch zu wenige Buchungen unter der Woche in den Schulzeiten. Diese sind aber für ein wirtschaftlich dauerhaft erfolgreiches Betreiben unbedingt notwendig“, betonte er. Die Hoffnung, Bildungsträger für Seminare zu gewinnen, sei dagegen eher gering, da das Haus mit insgesamt acht Schlafräumen nicht genügend Kapazität für Aufenthalte mit Einzelzimmerunterbringung habe.

„Insgesamt sind wir sehr hoffnungsvoll, dass sich die erheblichen finanziellen Investitionen und das große ehrenamtliche Engagement auszahlen werden, und dass wir mit dem Rüst- und Freizeitheim ,Bei den Aposteln‘ das kirchliche Angebot an Gästehäusern im Großraum Berlin ergänzen und erweitern können. Und auch für die Brieselanger Bürgerinnen und Bürger dürfte unser Gästehaus eine Möglichkeit sein, eine größere Gruppe für zwei oder mehr Nächte, etwa für ein Familientreffen, unterzubringen. Das Haus ist offen für alle. Wir freuen uns auf Anmeldungen!“ Apropos. Das Rüst- und Freizeitheim, ein Selbstversorgerhaus, ist in erster Linie ein Angebot an alle Gruppen, die zu Bildungs- oder Freizeitzwecken eine gemeinsame Zeit verbringen wollen. „Die Zugehörigkeit zu einer christlichen Kirche oder einer anderen Glaubensgemeinschaft ist keine Voraussetzung für die Nutzung und führt auch nicht zu einer bevorzugten Belegung. Das Haus steht neben allen kirchlichen Gruppen ausdrücklich auch Schulklassen, Kindergärten, Vereinen und Chören offen. Kinder- und Jugendgruppen müssen von mindestens einer für die Aufsicht verantwortlichen Person begleitet werden“, betonte Stolt.

Investiert wurden insgesamt die zuvor veranschlagten 818.000 Euro. Den größten finanziellen Anteil hat der Evangelische Kirchenkreis Falkensee mit 677.200 Euro beigesteuert. Die Kirchengemeinde Zeestow hat eine rund 70.000 Euro starke Finanzspritze gegeben. Weiterhin haben die Landeskirche EKBO (rund 32.000 Euro), der Kirchenkreis Nauen-Rathenow (etwa 25.000 Euro), die Stiftung Kirche im Dorf        (circa 8.000 Euro) sowie die EDG Kiel Stiftung (etwa 5.800 Euro) Gelder freigeschaufelt. Der Dallgower Architekt Roland Mewes hatte das Bauprojekt begleitet und umgesetzt.

Zur Info:

Übernachtungskosten im Überblick:

Erwachsene und Jugendliche (ab 15 Jahren) zahlen 20 Euro pro Nacht und Person. Für Kinder unter 14 Jahren wird ein Obolus in Höhe von 15 Euro erhoben (Nacht/Person). Es gelten allerdings ein Mindestübernachtungspreis für eine Gruppe von 200 Euro pro Nacht, da das Haus nur komplett gemietet werden kann. Es gilt eine Mindestaufenthaltsdauer von zwei Nächten. Zeltgäste zahlen zehn Euro pro Person und Nacht – allerdings nur wenn die gleiche Gruppe das Haus gebucht hat. Leihbettwäsche ist pro Person für fünf Euro erhältlich. Die Endreinigung, die in jedem Fall zu zahlen ist, kostet 100 Euro.

Brieselang, 9. Mai 2018