Ein waschechter Lebenskünstler

Wolle

Zeestow. (pra) Schon als Kind hat er eine musische Schule besucht und sowohl die Malerei, das Werken und die Musik schätzen gelernt, wenn nicht gar zelebriert, wie er sagt. Auch jetzt ist er immer noch gerne sehr produktiv. Wolfgang Schmidt alias „Wolle“ ist passionierter Künstler und Musiker. Er ist 55 Jahre alt und lebt seit 1991 in Zeestow. In seinem Atelier reiht sich neben den zahlreichen Skulpturen, die er angefertigt hat, Bild an Bild. Auch in für Künstler generell schwierigen Corona-Zeiten lässt er seiner Kreativität freien Lauf, nur verkaufen lässt sich nicht viel, da erneut keine Ausstellungen im November stattfinden dürfen. Arg gebeutelt ist er damit.

Wolfgang „Wolle“ Schmidt muss dieser Tage ein waschechter Lebenskünstler sein, Überlebenskünstler ist er ohnehin. Er ist aber vor allem eines: ein Mensch, der seine Gedanken kreisen lässt und vieles hinterfragt. Ein Mensch, der seine persönliche Leidenschaft, das Malen, gerne exzessiv zum Ausdruck bringt - künstlerisch versteht sich. Seine Werke sind abstrakt, teils regelrecht, dafür aber bewusst überzeichnet. „Künstler sind nervös. Ich selbst auch. Beim Malen kann ich die innere Energie herausströmen lassen. Meine Werke zeugen davon“, betont „Wolle“ Schmidt, der vielfach Comic-Elemente, die eine zentrale Rolle spielen, einfließen lässt.

Sein Vorbild ist Joseph Beuys. Der Aktionskünstler, Bildhauer und Zeichner habe ihn inspiriert. Ja, er bewundert ihn noch heute. Schmidt hat ein Porträt von ihm in Szene gesetzt. Er versteht es aus seiner Sicht als Würdigung für den großen Künstler aus dem Rheinland, der 1986 verstarb. Als bildender Künstler hat Schmidt auch Skulpturen erschaffen, die zahlreiche Philosophen zeigen, etwa Sokrates und Platon. Sein Lieblingswerk ist „immer das Neueste“, sagt er. Mehr als 700 Bilder hat er gemalt und mehr als 200 Skulpturen hat er gefertigt. Er ist rastlos. „Ich brauche das. Das Malen und Werken sind Ausdrucksformen, durch die ich mein eigenes Ego besser kennenlerne“, betont Schmidt. „Befrei dich, sei locker“, lautet sein Credo. „Durch das Malen entwickelt sich eine Persönlichkeit. Manchmal hilft es, ein kleiner Narr zu sein. Ich bin das. Niemand sollte sich zu wichtig nehmen, sondern über sich selbst lachen können.“

Er ist quasi ein Tausendsassa, der sich vielfach mit Literatur auseinandersetzt und im Gespräch etwa Friedrich Schiller zitiert. Kein Wunder, auch Gedichte verfasst Schmidt. Überraschend? Landwirt ist er auch gewesen. Einen Pferdehof hatte er jahrelang. Der grüne Daumen ist nun aber eher wegen seiner Malerei dann und wann grün. Künstlergruppen hat er geleitet, für den Umweltschutz hat er sich engagiert und auch als Dozent an der Uni Potsdam war Schmidt tätig. Praktischen Unterricht hat er in seinem 2007 eröffneten Atelier in Zeestow, einem ehemaligen Kuhstall, gegeben. „Die Studenten haben bei mir das Schweißen gelernt, wie Holz und Stein bearbeitet wird, wie Bilderrahmen bespannt werden und natürlich die Grundlagen der Malerei erlernt“, sagt er. Mit der Band Phoenix gibt er übrigens als Saxophonist oder Bassist Rock- und Jazzkonzerte, sofern möglich. „Im Moment leider nicht.“

Überhaupt ist „Wolle“ engagiert. Für die Tafel in Brieselag hat er das neue Schild Willkommensschild entworfen und kreiert. Sich gemeinschaftlich gegenseitig zu helfen, das möchte er mit seinem Werk farbenfroh zum Ausdruck bringen, wie er betont.   

Und? Kann er als Künstler vom Verkauf seiner Werke leben? „Das ist schwer“, sagt er. „Das gilt aber für fast jeden Künstler, gerade jetzt. Viele leben von Hartz IV oder künsteln sich durchs Leben. Derzeit sind viele auf Unterstützung angewiesen. Für mich ist beispielsweise die Tafel eine große Hilfe“, so Schmidt. Und: „Wenn du mit Kunst Geld verdienen willst, musst du das malen, was das ,Volk‘ sehen will.“ Im März dieses Jahres beispielsweise hätte er im Rahmen einer Ausstellung in Berlin theoretisch Werke verkaufen können, doch so oder so kam praktisch, besser unpraktisch der Lockdown, der auch jetzt wieder greift. „Das Geld oder die Erkenntnis wählen – das ist eine wichtige Frage. Aber momentan legt Corona alles flach.“ Arg gebeutelt ist er. Damit steht er nicht alleine.

Info: Sobald es die Corona-Situation zulässt, will Wolfgang „Wolle“ Schmidt sein Atelier wieder öffnen. Auch Veranstaltungen sind in Planung.

Kontakt: w.schmidt317@gmail.com