Landrat pocht auf Einhaltung des Zeitplans

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Havellands Landrat Roger Lewandowski hat am Dienstag (6. Oktober) während seines Besuches in Brieselang gemeinsam mit Bürgermeister Ralf Heimann und weiteren Spitzenvertretern der Verwaltung auch im Beisein von Kommunalpolitikern die aktuellen und anstehenden Entwicklungen in der Gemeinde beleuchtet. Beim Arbeitstreffen wurden zahlreiche Vor-Ort-Termine wahrgenommen, die unter anderem vor dem Hintergrund der Planungen zum Bau der Gesamtschule einen visuellen Erkenntnisgewinn mit sich gebracht haben. Lewandowski jedenfalls zeigte sich beeindruckt. Er hofft nun auch auf Fortschritte im bereits länger andauernden Entscheidungsfindungsprozess.

Es ist das allumfassende Thema in der Gemeinde Brieselang. Der Bau der Gesamtschule hat schon in der Vergangenheit bei den unzähligen Diskussionen die Gemüter teilweise erhitzt. Nun aber wird es Zeit, die Grundsatzfrage, welcher der beiden im Gespräch befindlichen Standorte, Schulgelände versus Sportplatzgelände, aus kommunalpolitischer Sichtweise tatsächlich als geeignet bewertet wird, final zu beantworten. Das findet auch Landrat Roger Lewandowski, der zumindest indirekt mit Blick auf den vertraglich bereits fest vereinbarten und fixierten Zeithorizont in gewisser Weise zur Eile mahnt. Beim Treffen mit den beiden Schulleiterinnen, Kerstin Lindner (Robinson-Grundschule) und Susan Wolf (Oberschule), sowie Vertretern des Sportvereins SV Grün-Weiss Brieselang am Fichtesportplatz, darunter Vereinschef Matthias Reer und Pressesprecher bzw. Alt-Bürgermeister Wilhelm Garn, die mit Detailfragen und eigenen Standortpräferenzen ihre Sorgen und Nöte zum Ausdruck gebracht haben, sagte er: „Wir mischen uns nicht in planungsrechtliche Angelegenheiten einer Gemeinde ein, das ist klar. Aber bei allen Diskussionen, die geführt werden, dürfen wir aus Sicht der Schulverwaltung des Landkreises nicht aus den Augen verlieren, dass der Zeitraum, bis die Schüler beschult werden müssen, immer enger wird. Dieser ist bis zum Schuljahr 2025/26 endlich.“

Ende November während der Sitzung der Gemeindevertretung soll indes eine Entscheidung fallen, so der Wunsch der Verwaltung, die der Landrat vor dem Hintergrund der initiierten Bereitstellung von anschaulich visualisierten Modellen explizit lobte. Bereits am Montag waren in der Aula der Robinson-Grundschule zunächst Mitglieder des Sportvereins SV Grün-Weiss Brieselang und einen Tag später am Dienstag zudem die Schulleitungen sowie Eltern über die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie, die das Planungsbüro PST aus Werder/Havel für eine Summe in Höhe von 60.000 Euro realisiert hat, informiert worden. Sie konnten sich ein Bild von den neun vorgestellten Varianten, die Uwe Gramsch, Fachbereichsleiter für Bauwesen und Gemeindeentwicklung, erläuterte. Sowohl er als auch der Verwaltungschef beantworteten zudem Fragen.

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Bei einer Abstimmung, die natürlich nicht repräsentativ ist, sprach sich eine Mehrheit der Anwesenden für den Sportplatzstandort aus, vor allem auch deshalb, weil ein weiterer Sportplatzstandort als Synergieeffekt in Aussicht gestellt wird, beispielsweise in Zeestow. Grundsätzlich sagte Bürgermeister Heimann: „Wir wollen, dass sich möglichst viele Menschen in Brieselang eine Meinung bilden.“ Das soll auch während einer weiteren, dann allgemeinen Bürgerveranstaltung am Donnerstag, 22. Oktober, ab 18 Uhr erneut in der Aula der Robinson-Grundschule geschehen. An diesem Mittwochabend sind zunächst die Mitglieder des Ausschusses für Gemeindeentwicklung in der Vorderhand, um Erkenntnisse zu gewinnen, ehe eine erste Bewertung in den Fraktionen erfolgen kann.

Mit Blick auf die anstehende Entscheidung gilt: Die architektonische Umsetzbarkeit steht mit verschiedenen Betrachtungsalternativen an beiden möglichen Standorten im Fokus. Auf dem Sportplatzgelände dreht sich die Diskussion unter anderem darum, wie das Vereinsheim erhalten werden kann oder ob die Option Abriss mit einem verbundenen Neubau desselbigen eine Rolle spielen soll. Zudem ist die Überprüfung der lärm- und planungsrechtlichen Situation in allen Fällen erfolgt. Kosten, Zeitschienen und Risiken wurden natürlich jeweils mitbetrachtet. Auf dem Sportplatzgelände sind allein sieben Varianten möglich, die aber auch Auswirkungen auf den Schulplatz haben. Dort sind weitere zwei Varianten mit Blick auf die Gebäudekubaturen unter Berücksichtigung der denkmalrechtlichen Auflagen für den Altbau Hans-Klakow-Oberschule, das Portal ist denkmalgeschützt, inklusive der Größe der Freiflächen gemäß der Schulbaurichtlinie untersucht worden. Neben der lärm- und planungsrechtlichen Situation ist auch dort die Nachnutzung des Bestandsgebäudes auf dem Prüfstand gestellt worden.

Im Verein Grün-Weiss Brieselang ist der Meinungsbildungsprozess nach der Vorstellung noch nicht abgeschlossen, positive und kritische Töne waren bislang gleichermaßen zu vernehmen, vor allem vom Vorstand. Kerstin Lindner, Schulleiterin der Robinson Grundschule, wiederum präferiert aus persönlicher Sichtweise den Bau der Gesamtschule auf dem Sportplatzgelände. „Die Schule platzt schon jetzt aus allen Nähten. Wer sich die Pläne und Modelle anschaut wird sehen, dass der Bau der Gesamtschule auf dem Schulplatz für eine enorme Enge sorgen würde. Der Bau auf dem Sportplatzgelände würde für uns mehr Platz bedeuten. Letztendlich ist klar, dass die Entscheidung den Gemeindevertretern obliegt. Ich wünsche mir weiterhin, eine gute Kooperation mit Grün-Weiss Brieselang. Wir sind auch keine Konkurrenten, wir brauchen aber eine vernünftige Lösung“, betonte Lindner.

Ohnehin gilt nun: das Abwägen von Vor- und Nachteilen in jeglicher Hinsicht muss erfolgen, ehe eine Entscheidung getroffen wird. Das Ziel ist klar: „Wir wollen uns nicht im Variantendschungel verheddern, sondern müssen zunächst schlicht den bestmöglichen Standort finden“, so Heimann.

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