Gaststätte Rosengarten
Der Brieselanger Rosengarten wurde in mehreren Bauphasen errichtet. Zunächst wurde durch Otto Möhring, der auch zu den ersten Siedlern Brieselangs gehörte, ein Wohnhaus erbaut, in dem eine Schankwirtschaft eingerichtet wurde. Am 7. Dezember 1921 wurde ein Gesuch zur Genehmigung der Schankkonzession gestellt, die von den Behörden zunächst als begrenzte Konzession genehmigt wurde. Baupläne zum Anbau eines
Tanzsaales bestanden schon im Jahre 1924. Die Fertigstellung des Saales verzögerte sich jedoch bis 1929. Ein Jahr später erfolgte der Antrag auf die
Erteilung der Genehmigung einer Gastwirtschaft, in dem über 50 Fragen zu beantworten waren. Unter anderem wurde gefragt : nach dem Zustand der zwei Fremdenzimmer, nach dem Anfahrtsweg, nach Unterstellmöglichkeiten für die Pferde der Reisenden, nach den sanitären Anlagen sowie nach eventueller gewerbsmäßiger Unzucht. Der Ausschank und die spätere Gastwirtschaft wurden von Frau Gertrud Möhring betrieben, die jedoch 1936 ver starb. Schwiegersohn Gustav Hummel über nahm bis etwa 1942 die Gaststätte. Danach, bis Kriegsende 1945 waren die Räumlichkeiten von der Firma Siemens u. Halske angemietet, um Zwangsarbeiter dort unterzubringen. Nach 1945 werden nach Aussagen von Zeitzeugen folgende Personen als Betreiber des Rosengartens genannt: Eichhorn, Willi Isemer, Krone sowie die zweite Frau des Otto Möhring - Ilse Möhring. Diese verließ etwa 1955 die DDR und ging zu ihrem Mann, der schon in Westberlin gewohnt haben soll. Der Rosengarten ging nun in staatliche Hände und wurde HO-Gaststätte unter dem Gaststättenleiter Heinz Brune. Dieser leitete das Objekt bis zum Jahre 1976, danach Alfred Baumeister bis zur Schließung.
Ab Sommer 1976 bis Mai 1979 erfolgte eine umfangreiche Rekonstruktion des gesamten Rosengartens. Am Saal wurden folgende Baumaßnahmen ausgeführt:
— Die Saaldecke wurde stabilisiert, danach eine Zwischendecke eingezogen
— Es erfolgte der Anbau einer Garderobe mit zusätzlichem Eingangsbereich
— Auffüllung des Fußbodens auf gleiche Ebene
— Umstellung der Ofenheizung auf Zentralheizung
— Veränderung der Bühne mit Stufen
— Veränderung des Zugangs vom Gaststättenbereich zum Saal
— Modernisierung der Toiletten
Für den Gaststättenbereich erfolgte der Einbau von zusätzlichen Toiletten links vom Gaststätteneingang, später die Umstellung von Ofen- auf Zentralheizung.
Seit Bestehen des Saales fanden darin unzählige Veranstaltungen statt:
— öffentliche Sitzungen der Gemeindevertretung
— Wahlversammlungen
— Filmvorführungen
— Kulturveranstaltungen
— Veranstaltungen der Schule: Schulabschlussfeiern, Jugendweihe, Chorproben, Versammlungen zur Elternbeiratswahl, Sportunterricht vor dem Turnhallenbau, Ausgabe der Schulspeisung bis etwa 1975
— Betriebsfeste und Frauentagsfeiern der Betriebe
— Weihnachtsfeiern der Volkssolidarität
— Training der Turnerriege (30er Jahre)
— Kleintierausstellungen bis 1975
— Sonderverkäufe von Industrie- und Wirtschaftswaren
— Veranstaltungen im Rahmen der Betriebsfestspiele bzw. der Kirmes und Heimatfeste
— Veranstaltungen des Männerchores "Harmonie Brieselang": Chorkonzerte, Masken- bzw. Zillebälle, oft mit Tombola
— Feuerwehrbälle der freiwilligen Feuerwehr Brieselang
— Sportlerbälle der Fußballer
— Tanzveranstaltungen sonstiger Vereine
— Interne Familienfeiern im Gaststättenbereich oder im Saal
Tanzkapellen der Region wurden für diese Veranstaltungen verpflichtet und spielten bis 2 Uhr aber auch bis 5 Uhr in der Frühe zum Tanz auf. Es waren die Tanzkapellen: Karl Kiesandt, Rudi Müller, Hermann Schmidtke, Meissner, Lunik Combo, Gummiwerk Combo, Atlantis, Quo-Vadis-Band, Diana Formation, Pocket-Band. Ab etwa 1980 wurde zunehmend auch Disko-Musik verpflichtet. Aber nicht nur die Vereine veranstalteten Tanzvergnügen, sondern im Rosengarten war Ende der 40er Jahre bis Anfang der fünfziger Jahre jeweils am Sonnabend, Sonntag und Mittwoch öffentlicher Tanz mit der Hauskapelle Rudi Müller. In den achtziger Jahren veranstaltete das Ehepaar Baumeister an den Wochenenden Disko-Veranstaltungen für die Jugend der Region, die sich auch noch Anfang der neunziger Jahre fortsetzten.
Nachdem der Gastwirt Alfred Baumeister aus gesundheitlichen Gründen sein Gewerbe abmeldete und sich kein Nachfolger fand, wurde der Rosengarten zum 01.10.1996 geschlossen.
Arno Heinrich