Archivperlen, Teil II: Bemühungen zum Bau eines Rathauses
Die historischen Bauakten, die teilwiese im Archiv der Gemeinde Brieselang lagern, offenbaren vielfach Pläne und Ideen, die nicht umgesetzt wurden. Das macht sie deshalb nicht minder interessant. Unter der wiederkehrenden Rubrik „Archivperlen“, diesmal Teil II, stehen die Bemühungen zum Bau eines Rathauses in den 1940er im Fokus. Franziska Toth, Archivarin der Gemeinde Brieselang, hat die Informationen zusammengetragen.
Bereits vor mehr als 80 Jahren gab es durch den amtierenden Bürgermeister Willi Pietrek (Februar 1930 bis April 1945, er war Mitglied der NSDAP) Bemühungen zum Bau eines Rathauses. Der damalige Verwaltungschef beklagte sich über „ausserordentliche Raumnot“ in den Verwaltungsräumen der Gemeinde, die sich in einem Wohnhaus befanden. In diesen Räumen wurden auch Eheschließungen vorgenommen, die Mitarbeiter mussten für die Zeit der Trauung das Büro verlassen. Um den beengten Verhältnissen zu entgehen, hat Pietrek zeitweise die Eheschließungen auch in seinen Privaträumen vorgenommen. Der Bürgermeister selbst hatte ein Büro mit einer Größe von neun Quadratmetern.
Um der Raumnot zu entgehen, gab es sogar Pläne das Dachgeschoss der heutigen Oberschule für die Verwaltung zu nutzen. Der Antrag wurde jedoch abgelehnt. Daraufhin gab es ab 1941 den Plan in der damaligen Maikowskistraße - heute August-Bebel-Straße - auf einem der Gemeinde gehörigen eine Bürobaracke für die Verwaltung zu errichten. Die Baukosten waren mit 50.500 Reichsmark (rund 13.000 Euro) veranschlagt. Pietrek wandte sich an verschiedene Stellen, um eine Baracke zu erhalten: den Landrat des Kreises Osthavelland, den Kreisbaurat, den Regierungspräsidenten des Regierungsbezirks Potsdam sowie das Reichsministerium für Bewaffnung und Munition. Er war „bereit, sofort ein Rathaus zu bauen“.
Dem Bau des Rathauses waren keine Steine durch Gemeindevertreter oder langwierige Planungen in den Weg gelegt, sondern durch die schwierige Lage während des Krieges. 1943 gab es die Mitteilung, dass Baracken nur für Bombengeschädigte und Rüstungsarbeiter abgebeben werden. Pietrek gab jedoch nicht auf und bemühte sich weiter, bis er im März 1945 die Bemühungen auf Grund eines Schreibens des Kreisverwaltungsdirektors endgültig einstellte.

