Zeichen für Menschlichkeit gesetzt – Regenbogenflagge am Rathaus gehisst
Brieselang. Anlässlich des Internationalen Tags gegen Homophobie ist am Freitagnachmittag die Regenbogenflagge am Brieselanger Rathaus von Bürgermeisterin Kathrin Neumann-Riedel und dem Vorsitzenden der Gemeindevertretung, Mike Jerichow, gehisst worden.
„Wir setzen heute ein Zeichen für queere Menschen“, sagte Bürgermeisterin Neumann-Riedel. Der 17. Mai erinnere daran, dass Homosexualität am selben Tag im Jahr 1990 von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) aus dem Diagnoseschlüssel für Krankheiten gestrichen wurde. „Bis dahin galt Homosexualität als Krankheit. Heute ist dieser Tag ein Tag der Solidarität – für Lesben, Schwule, trans-, inter- und nicht-binäre Menschen.“ Die Bürgermeisterin betonte: „Es ist ein Tag, um für etwas zu sein, nicht gegen etwas. Die Regenbogenflagge steht für Toleranz, Respekt und Menschenfreundlichkeit – für Vielfarbigkeit.“
Gemeindevertretungsvorsitzender Jerichow erklärte: „Wir leben in einer Zeit, in der Ausgrenzung wieder zunimmt. Umso wichtiger ist es, sich klar zu positionieren. Wir wollen in einer Gemeinde leben, in der Respekt, Vielfalt und Demokratie gelebt werden.“ Er verwies auf eine breite Unterstützung in der Gemeindevertretung.
Der Gedenktag stand auch im Zeichen eines Vorfalls aus dem vergangenen Jahr als die Regenbogenflagge am Brieselanger Rathaus Ziel einer mutmaßlich politisch motivierten Tat war. Am Abend des 1. August 2024 wurde die am Christopher Street Day gehisste Fahne gewaltsam entfernt und beschädigt. Zeugen beobachteten, wie ein 21-jähriger Mann aus Berlin auf den Rathausbalkon kletterte, die Flagge herunterriss und später versuchte, sie in Brand zu setzen. Die Bürgermeisterin wurde von Anwohnenden informiert und traf wenige Minuten später am Ort des Geschehens ein. „Ich verurteile diese homophobe Tat aufs Schärfste“, erklärte sie damals. Die Fahne sei zerrissen gewesen und mit Brandspuren gefunden worden. „Der Täter äußerte sich abfällig – das war eine zutiefst menschenverachtende Handlung.“
Am vergangenen Donnerstag wurde der Mann vom Amtsgericht Tiergarten in Berlin ürbigens wegen Sachbeschädigung verurteilt. Er erhielt 60 Stunden Freizeitarbeit und einen Eintrag ins Strafregister. Bürgermeisterin Kathrin Neumann-Riedel war als Zeugin geladen. „Dass es zu einem Verfahren und zu einem Urteil gekommen ist, ist ein wichtiges Signal. Es zeigt: Hass hat Konsequenzen“, so die Bürgermeisterin. Abschließend zitierte sie die kürzlich verstorbene Holocaustüberlebende Margot Friedländer: „Seid Menschen.“ Dieser Appell, so Neumann-Riedel, stehe für Mitmenschlichkeit und bleibe aktueller denn je.
Der Internationale Tag gegen Homophobie, Trans- und Biphobie wird seit 2005 weltweit begangen. Die Regenbogenflagge sendet ein deutliches Zeichen: Für Vielfalt. Für Offenheit. Für Menschlichkeit.

