Volkstrauertag: Gedenken, Mahnung und Verantwortung
Brieselang. Mahnung und Verpflichtung: Am Sonntag (16. November 2025) haben Brieselangerinnen und Brieselanger aus Anlass des Volkstrauertages auf dem Waldfriedhof der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft gedacht. An der Stele für die Kinder von Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern, die während des Zweiten Weltkrieges zu Tode kamen, und dem Grabstein mit der Aufschrift „Hier ruhen fern der Heimat als Opfer des Faschismus Kinder von Angehörigen alliierter Nationen“ wurde nach der Rede von Bürgermeisterin Kathrin Neumann-Riedel ein Kranz niedergelegt und eine Schweigeminute abgehalten. Vor Ort waren unter anderem auch die Gemeindevertreterinnen Anke Miltenberger, zweite stellvertretende Vorsitzende der Gemeindevertretung, und Susanne Hoffmann-Kranich.
Bürgermeisterin Kathrin Neumann-Riedel stellte das Gedenken in einen historischen und aktuellen Zusammenhang. Der Volkstrauertag sei „ein Tag des Gedenkens, der Mahnung und der Verantwortung“. Zugleich stellte sie die Frage nach der eigenen Haltung: „Tun wir genug, um aus der Vergangenheit zu lernen? Werden wir unserer Verantwortung wirklich gerecht – im Alltag, in unseren Entscheidungen, in unserem Umgang miteinander?“
Mit Blick auf die Dimension des Kriegsleids sagte Neumann-Riedel: „Im Zweiten Weltkrieg verloren nach Schätzungen weltweit rund 60 bis über 70 Millionen Menschen ihr Leben, darunter etwa sechs Millionen ermordete Jüdinnen und Juden. Auch in Brieselang tragen wir Erinnerungen, die sich über Generationen fortsetzen.“ Das besondere Gedenken an diesem Ort gelte den Kindern von Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern: „Wir geben diesen jungen Leben sichtbar einen Platz in unserem Gedenken.“
Die Bürgermeisterin verband das Erinnern auch mit einem klaren Appell für die Gegenwart: „Frieden beginnt nicht nur in großen politischen Entscheidungen – er beginnt bei uns selbst: im Zuhören, im Verständnis füreinander, im Mut, gegen Ausgrenzung und Hass aufzustehen.“ Gleichgültigkeit dürfe keinen Raum haben: „Gleichgültigkeit kann der Nährboden für Unrecht sein.“ Jeder und jede trage Verantwortung: „Wie wir sprechen, welche Worte wir wählen, ob wir widersprechen, wenn Grenzen überschritten werden – all das prägt das Klima, in dem wir leben.“
Neumann-Riedel betonte, der Volkstrauertag dürfe „kein bloßes Ritual“ sein. Mit der Kranzniederlegung verbinde sich ein Auftrag: „Wir nehmen damit auch ein Versprechen auf uns: dass wir aus der Geschichte lernen wollen – nicht nur mit Worten, sondern mit unserem täglichen Handeln.“ Brieselang solle für „Zusammenhalt, respektvolles Miteinander und eine lebendige, solidarische Gemeinschaft“ stehen. „Gedenken wir in Respekt und Würde derer, die Frieden nicht erleben durften – und setzen wir uns dafür ein, dass Menschlichkeit, Respekt und Zusammenhalt unsere Grundlage bleiben, heute und in Zukunft“, betonte sie.