Gedenken an Corona-Opfer: Mit Anteilnahme und Solidarität
Tragödie, Trauer, Trost: Während einer Gedenkveranstaltung im Rahmen einer ökumenischen Andacht für die Opfer der Corona-Pandemie haben am Sonntag (18. April) auf dem Gelände der evangelischen Kirche in Brieselang rund 35 Menschen als Zeichen ihrer Verbundenheit und ihrer Solidarität im Hinblick auf die Hinterbliebenen ihre Anteilnahme in besonderer Weise zum Ausdruck gebracht. Auch die Brieselanger sind damit dem Aufruf von Bundepräsident Frank-Walter Steinmeier gefolgt.
Pfarrer Rudolf Delbrück, Kaplan Jan Wroński sowie Bürgermeister Ralf Heimann und die beiden weiteren Rednerinnen Christine Bruns und Susanne Stiller unter anderem im Beisein des Vorsitzenden der Gemeindevertretung, Thomas Vogel, in persönlichen Beiträgen auf die menschlichen Tragödien, Schicksale sowie eigenen Erfahrungen mit bewegenden, trostspendenden und hoffnungsgebenden Worten hingewiesen. Nach dem Glockengeläut setzte sich ein Trauermarsch zur Thälmannstraße in Bewegung. Dort stehen nun in unmittelbarer Nähe zum Ehrenmal für die Opfer des Faschismus zwei gesegnete Trauerbirken in Gedenken an die Opfer der Corona-Pandemie als Symbol der Hoffnung. „Demnächst wird dort auch eine Gedenktafel errichtet werden“, wie der Bürgermeister betonte.
Es war ein würdiger Rahmen – über konfessionsgrenzen hinweg. Nicht nur den Todesopfern wurde gedacht, sondern auch all denjenigen Menschen, die dauerhaft Gesundheitsschäden durch das Coronavirus erleiden müssen oder zu verkraften haben. Die Andächtigen nahmen Anteil und entzündeten Kerzen und notierten Namen von Verstorbenen auf gebastelten Blumen, die sie in das mit echten Blumen versehene Kreuz platzierten. Fürbitten wurden zudem gehalten, etwa durch Bürgermeister Heimann. Neben den spirituell-geistlichen Aussagen regten vor allem die Erfahrungsberichte von Susanne Stiller vom Gemeindepflegehaus Brieselang und Christine Bruns, die als Ruheständlerin wieder als Krankenschwester in der Havellandklinik zu Nauen auf der Covid-Isolierstation arbeitet, zum Nachdenken und innehalten an.
Stiller verwies auf die enorme Belastung der Pflegekräfte, die etwa die „Covid-Betroffenen bis zum Tod begleiten und auch die Traurigkeit der Angehörigen auffangen“ müssten. „Anfangs waren wir die Helden, nun wird kaum noch über die Situation der Pflegekräfte gesprochen“, sagte sie. „Ich kann nur hoffen, dass sich die Situation für alle verbessert“, erklärte sie weiter. Bruns hat auch schicksalhafte Erfahrungen sammeln müssen, doch trotz des „Wissens um diese Not, die schwer auszuhalten ist“, möchte sie, der Glaube gebe ihr „Kraft und Hoffnung“, Patienten weiterhin „begleiten, pflegen und trösten“.
Fakt ist, so Wroński wiederum: „Wenn ein geliebter Mensch stirbt, bricht eine Welt zusammen.“ Das sei in Corona-Zeiten in besonderer Weise zu beobachten, da der Abschied unter Corona-Bedingungen anders ist und oft mit unterschiedlichen Gefühlen von „Trauer über Ohnmacht, Angst, Wut, Schuld, Erleichterung, Dankbarkeit oder bis hin zu Hoffnung“ gereicht. Da das Abschiednehmen, so Pfarrer Delbrück, seit Beginn der Corona-Pandemie so ganz anders als sonst sei, „so distanziert“, sei das Spenden von Trost und das Innehalten wegen des Leids, das viele Menschen erlitten haben und wohl noch erleiden werden besonders bedeutsam“, obgleich er den Finger in die Wunde legte, indem er sagte: „Trauer hat wenig Platz in unserer Spaßgesellschaft.“
Ralf Heimann wartete noch mit Zahlen auf. Im Havelland sind bislang 168 Menschen mit oder an den Folgen einer Coronavirus-Infektion gestorben. Der Großteil, 95 Prozent der Todesopfer waren älter als 60 Jahre, 160 an der Zahl. Für ihn „ist jeder Tote einer zu viel“, betonte er.



