Ehemaliges Rittergut: Zeestower begrüßen Pläne des Investors
Noch ist zwar nichts in Stein gemeißelt, doch hat das Bebauungskonzept die Einwohner überzeugt: Das ehemalige Rittergut und LPG-Gelände (Motorenwerkstatt) im alten Dorfkern von Zeestow, das derzeit einem Schandfleck gleicht, könnte nach den Vorstellungen eines Investors bebaut werden. Am Samstag wurden die Pläne und Konzepte in der Sporthalle der ZeeBr@-Grundschule erstmals öffentlich und detailliert dargelegt. Rund 60 interessierte Besucher, darunter auch Bürgermeister Ralf Heimann mit einleitenden Worten, nutzen sodann die Gelegenheit, sich während der von Stefan Backhaus geleiteten Ortsbeiratssitzung über das Vorhaben zu informieren und Fragen zu stellen. Die Quintessenz: Es gab viel Lob.
Der Vorhabenträger konnte am Ende nach zweistündiger Sitzung mehr als „sehr zufrieden“ sein, wie Erik Roßnagel vom Nürnberger Unternehmen Terraplan, das derzeit beispielsweise das Olympische Dorf in Elstal entwickelt, im Anschluss betonte. Das Projekt soll nun an Fahrt aufnehmen, schließlich haben die Zeestower per Handzeichen nahezu einstimmig das Vorhaben begrüßt. Zuvorderst muss allerdings das Grundstück noch gekauft werden, da bislang lediglich die Kauoption besteht. Das generelle Investitionsvolumen inklusive der Bebauung soll übrigens bei rund 30 Millionen Euro liegen. Entstehen sollen etwa 90 Wohnungen. Rund 200 Einwohner mehr könnte Zeestow im Jahr 2026 haben.
Was aber soll vor Ort genau geschehen? Der alte Dorfkern in Zeestow, das Areal ist rund 1,5 Hektar groß, liegt bekanntermaßen seit langem brach. Neben Roßnagel erläuterten auch seine Projektpartner Frank Wittfoth von der Wittfoth Bau GmbH aus Potsdam als Bauherr und Projektentwickler sowie Tim Schmitt von Schmitt von Holst Architekten das Konzept. So sei der der Erhalt, die Sanierung und die Umnutzung der Bestandsgebäude um den nördlichen Innenhof geplant. Ergänzt werden solle die Bebauung um Doppelhäuser zur Abrundung des Hofes und im Innenhof ein niedriggeschossiges Bauwerk als Pavillon in Holzbauweise mit einem Gründach als Retentionsdach - etwa für eine Wohngemeinschaft (nicht nur) für Menschen mit Demenz. Geplant sei in diesem Sinne Mehrgenerationenwohnen in und um einen großzügigen grünen Innenhof.
Insgesamt solle hierdurch der charakteristische Vierseithof einer solchen ehemaligen Gutshofanlage erhalten und fortgeschrieben werden. Durch den größtmöglichen Erhalt der vorhandenen Bausubstanz werde eine ressourcenschonende Bauweise angestrebt. In Anlehnung an die Konstruktion des rund 170 Jahre alte Fachwerkgebäudes könnten die neu ergänzten Gebäude in einer Holzrahmenbauweise entstehen, um eine CO2 neutrale Bauweise anzustreben.
Im südlichen Bereich des Grundstücks, zum Kirschenweg, sei zudem ein zweiter Hof mit neu zu errichtenden Wohngebäuden geplant. Zu den Nachbarn im Westen hin seien Doppelhäuser geplant, zum Kirschenweg nach Süden hin wiederum Mehrfamilienhäuser. In den Mehrfamilienhäusern sei ebenfalls Mehrgenerationenwohnen geplant, welches auch betreute Wohnungen und eine Tagespflege sowie einen Dorfladen umfassen solle. Die Erschließung des Ritterguts Zeestow werde nach momentanen Überlegungen vom Kirschenweg aus erfolgen und alle Parkplätze sollen in einer halb eingegrabenen, offenen Tiefgarage untergebracht werden.
Der südliche Hof könne hierdurch oberirdisch von Autos freigehalten und durch einen Spielplatz genutzt werden. In dieser Anlage könnten zukünftige E-Mobilitätskonzepte angeboten werden, wie etwa auch Carsharingplätze für die Nachbarschaft. Zur Energieversorgung sollen die nach Süden orientierten Dächer mit Photovoltaikelementen versehen werden, ein Blockheizkraftwerk mit Nahwärmeversorgung soll das Energiekonzept ergänzen. Das Rittergut Zeestow, das einst auch „Gut bei der Kirche“ genannt wurde, welches 500 Jahre im Besitz der Familie von Bredow war, soll ein für alle Zeestower insbesondere die Nachbarn offenes Areal werden.
Durchwegungen, Spielplätze und gemeinschaftliche Grünanlagen wie natürlich auch der Dorfladen mit kleiner Gastronomie stünden allen offen. Auch eine Begegnungsstätte im Bereich altersgerechtes Wohnen ist im Gespräch. Ziel sei es, in Zeestow neben familiengerechten Reihen-, Doppel und gegebenenfalls Einfamilienhäusern auch Wohnraum zu schaffen, der vor Ort kaum vorhanden ist. Teilweise barrierefreie Zwei- und Drei-Zimmer-Wohnungen sollen ein ergänzendes Wohnraumangebot schaffen, um der Jugend vor Ort eine Wohnung anbieten zu können und sie im Dorf zu halten beziehungsweise Senioren, die ihr Haus nicht mehr bewirtschaften wollen oder können, die Möglichkeit zu geben, in Ihrem Heimatort zu bleiben und gegebenenfalls auch betreut zu werden. Die Mietpreise sollen zwischen 9,50 und 10,90 je Quadratmeter liegen.
Und der Zeitplan? Sollte der Grundstückskauf als erste Voraussetzung für die Bebauung gelingen, müsste zunächst ein Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan durch die Gemeindevertretung gefasst werden. Eine erste Vorstellung des Projektes erfolgt auf dieser Ebene im Rahmen der Sitzung des Gemeindeentwicklungsausschusses am 10. März, ehe weitere Beratungen folgen und möglicherweise im Laufe des Jahres ein Beschluss gefasst wird. Der Beginn des Genehmigungsverfahrens wird 2021/2022 angestrebt, ehe die Bauphase nach einem Satzungsbeschluss in den Jahren 2023 bis 2025 beginnen und vermutlich bis zur Fertigstellung im Jahr 2026 andauern wird. Fakt ist auch: die Zeestower sollen weiterhin eingebunden und beteiligt werden. Das kam schon am Samstag gut an, schließlich zollten die Zeestower am Ende der Vorstellung des Bauprojektes sogar Applaus. Der Bürgermeister sagte: „Die frühzeitige Zustimmung der Öffentlichkeit ist ein sehr guter Ansatz. Dem Ortsbeirat ist es erfreulicherweise gelungen, die Zeestower mit ins Boot zu holen und damit der Beteiligung Geltung verschafft zu haben.“ Noch ist aber nichts in Stein gemeißelt.





