Das Bezirksgericht in Brieselang: Eine kurze Episode nach Kriegsende
Brieselang. 100 Jahre Brieselang: In der Reihe Archivperlen beleuchtet Franziska Toth, Archivarin der Gemeinde Brieselang, diesmal ein spannendes Kapitel der Nachkriegszeit: die Einrichtung eines Bezirksgerichts durch die sowjetische Militärkommandantur. Bürgerinnen und Bürger konnten ohne juristische Vorkenntnisse als Staatsanwälte, Richter und Schöffen eingesetzt wurden.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs richtete die sowjetische Militärkommandantur unter Oberleutnant Artemenko ein Bezirksgericht in Brieselang ein. Es war zuständig für Brieselang, Bredow, Zeestow, Perwenitz und Pausin.
Mangels erfahrener Fachkräfte wurden Bürgerinnen und Bürger ohne juristische Vorkenntnisse mit den Aufgaben als Staatsanwälte, Richter und Schöffen betraut. Die erfahrenen Richter und Staatsanwälte der Vorkriegszeit hatten aus Angst vor Vergeltung das Gebiet verlassen. Erich Skribelka fungierte als Staatsanwalt, während Hugo Weber die Rolle des Amtsrichters übernahm. Verhaftete wurden in einer provisorischen Arrestzelle im Gebäude der Feuerwehr untergebracht. Bereits im Januar 1946 wurde das Bezirksgericht wieder geschlossen und nach Nauen verlegt.
